15. Januar 2015

Entwicklung einer interdisziplinären Methodik zum Messen, Sehen und Verstehen kulturellen Wandels in realen und virtuellen Räumen

Das Projekt untersucht die Zusammenhänge der Sicht- und Erfahrbarmachung von Kulturerbe im (1) musealen Raum, im (2) Stadtraum mit seinen zeit-räumlichen Verknüpfungen zur umgebenden (Kultur-)Landschaft und im (3) virtuellen Raum. Dies umfasst die Möglichkeiten und Grenzen des Sichtens, Sehens, Projizierens und Erfahrens und beschreibt den Prozess von der historisch-archäologischen Aufarbeitung zum Messen über das Sehen zum Verstehen. Grundlage ist die technische Erfassung und Verarbeitung von physischen Daten in 3-D-Modelle, die in adäquaten interoperablen Formaten gesichert und in webbasierter Form nutzbar gemacht werden. Diese technische Datenaufbereitung und -verfügbarmachung wird von unterschiedlichen geisteswissenschaftlichen und angewandten Disziplinen nachgefragt. An ihrer Analyse der gemessenen und ausgewerteten Daten werden Erklärungszusammenhänge, Bedeutungen und Konflikte in der Identifikation, Analyse, Aufbereitung und Nutzung von Kulturerbe sichtbar.

An einem exemplarischen und repräsentativen Objekt, der Jupitergigantensäule der Römerstadt Ladenburg, sollen so die interdisziplinären Praktiken des Sicht- und Erfahrbarmachens getestet und langfristig in einem wissenschaftlichen Konzept zusammengeführt werden. Die Jupitergigantensäule der Stadt Ladenburg ist ein Paradebeispiel dafür, wie Menschen in unterschiedlichen Epochen mit Kulturerbe umgehen. Sie wurde nämlich erst 1973 in einem antiken Brunnen in Ladenburg gefunden. Wahrscheinlich wurde sie bald nach ihrer Fertigung (ca. 200 n. Chr) beschädigt und im Brunnen entsorgt. Die Geschichte und Hintergründe ihrer Entstehung und Entsorgung sind aber gar nicht näher bekannt. Um herauszufinden, wie die Jupitersäule den kulturellen Wandel im Umgang mit Relikten aus der Vergangenheit abbildet, sind zahlreiche Forschungsschritte notwendig. Dabei steht im Zentrum, was unterschiedliche Disziplinen gemeinsam am Objekt „sehen“, erfahren und bewerten: Welche interdisziplinäre Sichtweise auf Kulturerbe ist zukunftsrelevant und welche Lösungsansätze lassen sich für den langfristigen, nachhaltigen Schutz von Kulturerbe entwickeln? Welche Entscheidungs- und Bewusstseinsprozesse gehen mit der (Neu-)Betrachtung von Kulturerbe (z.B. auch im Rahmen von Zertifizierungsinitiativen) auf wissenschaftlicher, ökonomischer und gesellschaftlicher Ebene einher?

Das Ziel ist die Entwicklung einer übertragbaren Methodik für die interdisziplinäre Erforschung und nachhaltige Sicherung von Kulturerbe.

Während die HEiKA-Finanzierung als Anschub für ein größeres Folgeprojekt genutzt wird, leistet das MUSIEKE-Projekt einen Beitrag zur Stärkung der forschenden Lehre und der Lebendigkeit der Forschungspartnerschaft zwischen Heidelberg und Karlsruhe: ein interdisziplinäres Forschungsseminar mit allen beteiligten ForscherInnen im Sommersemester 2015 für Studierende beider Universitäten ist Teil des Projekts.